ITT-Analyse

Wie man Studien richtig auswertet

Eine Studie zur Behandlung von Patienten mit verengten Halsschlagadern findet heraus, dass eine Operation viel besser hilft als Medikamente allein. Als jedoch David Sackett rund zehn Jahre später die Studie genauer betrachtet und das Prinzip der „intention-to-treat“-Analyse anwendet, kommt er zu einem überraschenden Ergebnis.

Quellen und Zusatzinformationen

Joint study of extracranial arterial occlusion (Original-Auswertung in JAMA)

Nach-Auswertung von Sackett und Gent (im NEJM):

Assessing the quality of controlled clinical trials

Wo ist der Beweis? Kapitel 6

Deviation from intention to treat analysis in randomised trials and treatment effect estimates: meta-epidemiological study

Das Intention-to-Treat-Prinzip

Schlupflöcher in den Stichproben randomisierter Studien: Ausgeschlossene, Verlorene und Abtrünnige

When and how should multiple imputation be used for handling missing data in randomised clinical trials – a practical guide with flowcharts

Musik: Ausschnitte aus „There It Is“ by Kevin MacLeod, licensed under a Creative Commons Attribution License

Publikationsbias

Verschwundene Studien zum Grippemittel Tamiflu

Systematische Übersichtsarbeiten sollen das bisherige Wissen aus Studien bündeln. Wenn Sudien aber nicht veröffentlicht sind oder zurückgehalten werden, verzerrt das das Gesamtbild. Ein besonders eindrücklicher Fall von Publikationsbias ist die Geschichte um das Grippemittel Tamiflu – und die erzählen wir in dieser Episode.

*Quellen und Zusatzinformationen *

Tamiflu-Kampagne des BMJ und wichtige Artikel zum Thema

Interessante Timeline zu den Ereignissen

Ben Goldacre, What the Tamiflu saga tells us about drug trials and big pharma. The Guardian 10.04.2014

AllTrials

OpenTrials

YODA Projekt

RIAT-Initiative

Video mit Tom Jefferson zu RIAT

Beate Wieseler, Das Ende der Zeitschriftenpublikation – ein neues Format für die Veröffentlichung klinischer Studien. ZEFQ 2017, 120, 3-8

Systematische Übersichtsarbeiten

Die Geschichte der Cochrane Collaboration

Gaza-Streifen, in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Der junge britische Arzt Iain Chalmers behandelt Kinder mit Masern. Später entdeckt er, wie falsch er mit seinem Verzicht auf Antibiotika gelegen hat. Aus dem Entsetzen wird die Geburtsstunde eines internationalen Netzwerks, das sich der kritischen Sammlung des medizinischen Wissens verschrieben hat: Die Cochrane Collaboration – bis heute eine bewährte Anlaufstelle, wenn es um systematische Übersichtsarbeiten und verlässliches Wissen geht.

Unsere Quellen
– Infos zur Geschichte von Cochrane: InternationalDeutschlandSchweiz
– Geschichte des Cochrane Logos: Blog auf standard.atEvidently CochraneWissen was wirktJames Lind Library
Bericht von Iain Chalmers
Bericht über die Entwicklung des Cochrane Reviews zu Cortison bei drohender Frühgeburt

Weiterführende Infos
Systematische Übersichtsarbeiten
Cochrane Blog auf Deutsch
Cochrane Blog auf Englisch
Cochrane Kompakt (Zusammenfassungen auf Deutsch)
Blogshots (Social Media-Grafiken)

Surrogatendpunkte

Die Geschichte der CAST-Studien

In den 1980er Jahren wollten Ärzte Patienten nach einem Herzinfarkt etwas Gutes tun und verabreichten ihnen Antiarrhythmika. Die normalisierten den Herzrhythmus und verringerten im EKG Herzrhythmusstörungen. Leider senkten sie aber nicht wie erhofft die Sterblichkeit, sondern ließen sie sogar noch ansteigen. Die Geschichte der CAST-Studien ist ein eindrückliches Beispiel, wie gefährlich es sein kann, sich in Studien auf Surrogatendpunkte zu verlassen.

Unsere Quellen

Gesundheitsinformation.de: Evidenzbasierte Medizin – Können Messwerte zeigen, ob eine Behandlung hilft?

Testing Treatments: Erhoffte, aber nicht eingetretene Wirkung

P. Kleist: Biomarker und Surrogat-Endpunkte: Garanten für eine schnellere Zulassung von neuen Arzneimitteln? Schweizerische Ärztezeitung 2002; 83: 44ff.

H.C. Bucher: Studien mit Surrogatendpunkten. Nutzen und Grenzen in der klinischen Entscheidungsfindung. Internist 2008; 49:681–687

Vorläufiger Bericht der CAST-Studie

Ausführlicher Bericht zu CAST-I

Bericht zu CAST-II

Bigger JT. The events surrounding the removal of encainide and flecainide from the Cardiac Arrhythmia Suppression Trial (CAST) and why CAST is continuing with moricizine. J Am Coll Cardiol 1990 Jan;15(1):243-5.

Hampton J. Therapeutic fashion and publication bias: the case of anti-arrhythmic drugs in heart attack. James Lind Library 2015

Lauer M et al. Epidemiology, Comparative Effectiveness Research, and the NIH: Forces for Health. Epidemiology 2011 Sep; 22(5): 625–628.

Verblindung

Die Geschichte von Franz Mesmer und dem animalischen Magnetismus

Paris 1780. Der Arzt Franz Mesmer bittet die medizinische Fakultät darum, seine Heilmethode zu überprüfen: den animalischen Magnetismus, mit dem er schon große Erfolge gefeiert hat. Diese Angelegenheit bringt die medizinische Forschung ein ganzes Stück voran – wenn auch anders, als Mesmer es gedacht hat.

Unsere Quellen

Wikipedia-Einträge zu
– Franz Mesmer (deutsch und englisch)
Animalischer Magnetismus

Bericht der Königlichen Kommission (auf der Homepage des Royal College of Physicians of Edinborough)

James Lind Library
– Kaptchuk TJ (2011). A brief history of the evolution of methods to control observer biases in tests of treatments
– Donaldson IML (2005). Mesmer’s 1780 proposal for a controlled trial to test his method of treatment using ‘Animal Magnetism’.
– Huth EJ (2006). Benjamin Franklin’s (1706-1790), place in the history of medicine
– Donaldson IML (2016). Antoine de Lavoisier’s role in designing a single-blind trial to assess whether ‘Animal Magnetism’ exists

Testing Treatments: Faire Erfassung des Behandlungsergebnisses

Herr HW. Franklin, Lavoisier, and Mesmer: origin of the controlled clinical trial. Urol Oncol. 2005 Sep-Oct;23(5):346-51.

Medizin transparent: Magnete gegen Schmerz

Randomisierung

Die Geschichte von Austin Bradford Hill und dem Streptomycin-Versuch

England nach dem 2. Weltkrieg: Tuberkulose gehört zu den wichtigsten Todesursachen bei jungen Menschen. Wie zuverlässig hilft Streptomycin? Das untersucht der Medizinstatistiker Austin Bradford Hill mit äußerst knappen Mitteln und einer neuen Methodik: einer randomisierten kontrollierten Studie.

Unsere Quellen

Wikipedia-Einträge zu
Austin Bradford Hill
Tuberkulose

Wo ist der Beweis? Unverzerrte prospektive Zuteilung zu verschiedenen Therapien

James Lind Library
Die veröffentlichte Studie zum Streptomycin-Versuch und Erinnerungen von Bradford Hill und D’Arcy Hart
– Bradford Hill, Principles of medical statistics
Hintergrundinformationen zum Streptomycin-Versuch

Weitere Quellen
Die Randomisierung im Streptomycin-Versuch